Leseprobe für KleineUnd Timmy ist geflogen Eine Geschichte für Kinder von Stephan Kalk Leseprobe: Eine Überraschung im Garten - Wie die Sonne die Menschen verändert - Janas geplanter Kinobesuch - Was im Garten gesessen hat Alles in allem war es ein sehr besonderer Tag. Vom Hof aus konnte ich sehen, wie Mama den Tisch auf der Terrasse deckte. Jana war mit dem Fahrrad fortgefahren und hatte Brötchen beim Bäcker geholt. Papa setzte sich in die Sonne und räkelte sich. Als Mama mit der heißen Kaffeekanne durch die Terrassentür kam, kletterte ich über das Mäuerchen und setzte mich auf meinen Platz. “Na, junior,” grinste Papa: “Schon etwas angestellt heute?” Ich grinste zurück. “Guten Morgen, und guten Appetit,” sagte Mama und schob mir ein Brötchen zu. Jana kaute in meine Richtung: “Sehr windig heute, wie?” “Quatsch! Warum?” - “Oh, ich dachte nur, deine Haare stehen wie bei einem Gockelhahn.” Sie lachte herzlich. “Keine Zeit zum Kämmen gehabt,” murmelte ich. Ich war überrumpelt. Papa runzelte leicht die Stirn: “Macht nichts, Junior. Kannst du ja nach dem Frühstück erledigen.” Er sah mich an: “Das Zähneputzen übrigens auch, o.k.?” - Ich nickte schuldbewusst. Jana lachte nicht mehr: “Reichst du mir bitte die Marmelade,” lenkte sie Papa ab. - “Natürlich.” Papa grinste und schwieg. Das war alles. Alle saßen wir in der Sonne und fühlten uns wohl. Keiner schimpfte mit mir, obwohl sie schon mindestens einen Grund dafür gefunden hatten. Mama verlor kein Wort über den Saft in der Küche. Selbst Jana schien es nicht so gemeint zu haben, schließlich hatte sie mir geholfen. Aber so genau weiß man das ja nicht immer. “Die Sonne,” dachte ich: “Es liegt bestimmt an der Sonne. Sie lacht vom Himmel und die Menschen fühlen sich wohl, weil sie endlich wieder heraus können.” Ich freute mich auch. Nach dem Frühstück boxte Jana mich in die Seite: “War nicht so gemeint,” flüsterte sie mir zu: “Ich decke heute den Tisch ab,” kündigte sie an. Ich staunte. Das ist normalerweise meine Aufgabe. “Scht. Ich erklär' dir das später,” zischelte sie, während sie mit den ersten Tellern verschwand. Susi trottete ihr nach. Mama ging in den Garten, um die Wäschespinne aufzustellen. “Draußen wird alles viel schneller trocken,” meinte sie im Fortgehen: “Fein, da werde ich ja heute fertig.” Papa blieb in der Sonne sitzen. Ich folgte Jana in die Küche: “Was gibt es denn?” -“Wenigstens einen Teller hättest du ja auch mitnehmen können” murrte sie. Doch die Strenge in ihrem Gesicht wich auffällig schnell einem freundlichen Lächeln: “Ach, schon gut, Toffy, nicht so schlimm. Weißt du, heute Abend, da würde ich gerne ins Kino gehen, und ich dachte,” fuhr sie fort, als sei es die nebensächlichste Sache der Welt: “Dass du mir vielleicht hilfst, wenn die Eltern etwas dagegen haben.” - “Hmhm” ich verstand: “Einverstanden.” “Schaut mal, was hier ist! Kommt einmal alle her! Nein, wie goldig! - Ist das nicht süß?” Jana und ich sahen uns an. Das war Mama aus dem Garten. Susi reagierte als Erste. Sie schoss wie ein Pfeil nach draußen. Wir liefen hinterher und stießen auf der Terrasse mit Papa zusammen, der sich inzwischen erhoben hatte. “Nun kommt schon, wo bleibt ihr denn!” rief Mama: “Aus! Pfui, Susi! Geh zurück und bleib! - Aus!” Das klang wichtig. Papa setzte sich in Bewegung. Er schaffte es, vor uns da zu sein. Susi juchzte und jaulte. Mama kniete im Gras und hielt sie am Halsband fest. Mit aller Gewalt stemmte sich Susi nach vorne und bellte. Vor den beiden kauerte ein kleines, mit Federn überzogenes Etwas im Gras und drückte sich zitternd mit dem Bauch an den Boden. - Ein Vogelkind!
Leseprobe: Aus Fritzchen wird Timmy Um kurz vor halb sieben wachte ich auf “Hoffentlich lebt es noch,” schoss es mir durch den Kopf: “Es hat noch gar keinen Namen. Ich werde es Fritzchen nennen.” Ich rannte aus meinem Zimmer. Doch es war wie verhext: Jana traf ich vor dem Badezimmer, Papa begegnete mir auf der Treppe, und Mama war schon unten. Im Esszimmer saß Mama vor dem geöffneten Vogelkäfig. Susi saß neben ihrem Stuhl und hechelte erwartungsvoll nach oben. Mama versuchte gerade mit der Pinzette eine Fliege in das Schnäbelchen zu zwängen: “Ach, gut, dass ihr da seid” meinte sie. Diesmal ging es scheinbar schon viel leichter, als gestern. Sie klopfte mit der Pinzette leicht gegen den Schnabelrand, und als der Schnabel sich öffnete, stopfte sie die Fliege vorsichtig hinein. Wir sahen uns alle erleichtert an. “Na, also. Fritzchen lebt und frisst Fliegen. Ich fange am besten gleich noch eine Fliege für Fritzchen!” rief ich. “Fritzchen!?” brummte Papa. “Ja,” rief ich: “Es hat noch keinen Namen. Wir könnten es doch Fritzchen nennen.” Da klappte das Vögelchen seinen Schnabel wieder auf, und die Fliege kam gleich darauf wieder zum Vorschein. “Fritzchen ist ein blöder Name,” meinte Jana. ,Ich glaube, es mag diese Fliege nicht,” sagte Mama. Vielleicht ist sie ihm ja zu hart. Wir brauchen ein paar Würmer.” “O.k.,” ich verschwand im Garten. Eineinhalb Spatenstiche tief im Gemüsebeet findet man immer welche. Ich weiß das, weil ich schon früher manchmal welche für Opa gefangen hatte, wenn er angeln war. Dafür bin ich Spezialist. Außerdem waren da gestern auch viele gewesen. Ein paar Minuten später kam ich mit dem Plastikschüsselchen zurück. “Bitte sehr. Darf ich ihm auch mal einen geben?” - “Noch bin ich nicht sicher, ob es funktioniert, Christopher. Später darfst du es bestimmt.” “Wie wäre es mit “Birdy”?” fragte Jana. Mama angelte mit der Pinzette nach einem Wurm. Papa sah uns an: “Wenn ihr einverstanden seid, dann möchte ich, dass wir ihm erst später einen Namen geben.” Jana und ich wussten darauf nichts zu sagen. “Es ist immer noch sehr schwach, wisst ihr. Vielleicht ist es für einen Namen noch ein wenig zu früh.” Ich starrte ihn ungläubig an: “Aber es lebt doch!” Mama lächelte uns an: “Ja, und das soll es ja auch!” Sie hielt die leere Pinzette in der Hand. Der kleine Schnabel klappte auf, ließ einen kleinen, ganz zarten Piepser vernehmen und blieb sperrangelweit offen. “Cool', es piepst,” meinte Jana. - “Was haltet ihr von Timmy? Das ist doch ein sehr schöner Name für ein Vögelchen, meint ihr nicht?” fragte Mama und stopfte einen Wurm in den Schnabel. “Timmy, oh, ja. Timmy”' rief Jana, und ich hüpfte vor Freude.
Nachbemerkung Aber während der Sommerferien des Jahres 1996 lebte tatsächlich ein kleines Spatzenkind für
etwas über eine Woche bei uns. Wir haben ihm damals auch den Namen Timmy gegeben. Zu bestellen im Buchhandel: oder bei: Rainar NITZSCHE Verlag ab 10 Jahre, Preis: DM 16,-
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